Liebstes Moppelchen: Eheglück mit der Waage messen?

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Heiraten ist gefährlich. Vor allem dann, wenn die Ehe auch noch glücklich ist, denn dann nehmen die Ehepartner zu. Und Übergewicht macht krank, sagen amerikanische Wissenschaftler. Für eine Studie über den Zusammenhang zwischen Zufriedenheit in der Ehe und Gewichtszunahme befragten sie 169 frisch verheiratete Paare vier Jahre lang dazu, wie es ihnen in ihrer Ehe ging, und ließen sie ihr Körpergewicht protokollieren. Das Ergebnis: Je glücklicher die Ehe, desto größer die Wahrscheinlichkeit der Gewichtszunahme.

Hätte man mich (und M.) in diese Untersuchung mit einbezogen – wir hätten dieses Ergebnis voll bestätigt. Auf den Hochzeitsbildern vom letzten Jahr bin ich noch etliche Kilo leichter – und nein, die hatte ich mir nicht vorher abgehungert, um in ein weißes Prinzessinnen-Traumkleid zu passen (hatte ich nämlich gar nicht). Ja, und unsere Ehe ist bislang glücklich, danke der Nachfrage.

Die Sache mit Korrelation und Kausalität

Und trotzdem möchte ich beschwören, dass die Gewichtszunahme nichts damit zu tun hat, wie harmonisch unsere Beziehung verläuft. Ich führe sie auf einen langen, lichtarmen Winter zurück, in dem der Appetit auf Üppiges groß war. Auf einen Urlaub in Indien, nicht gerade das Land der leichten Küche. Und auf verschiedene Umstände, die monatelang das Joggen verhindert haben.

Anders als ich sehen die Forscher aber einen kausalen Zusammenhang zwischen Körpergewicht und Glücksempfinden und meinen, je unglücklicher die Ehe, desto größer der Wunsch, für potenzielle andere Partner attraktiv zu sein. Und attraktiv heißt landläufig schlank. Nun ist ja allein das schon fraglich. Es soll ja durchaus Paare geben, die es aneinander gerne kuschlig-weich und nicht knochig-eckig haben. Und es soll auch schon passiert sein, dass Frauen, die nicht ganz schlank waren, einen Partner in crime für eine Affäre fanden. Doch, doch. Hört, hört.

Wenn Schlankheit schwerer wiegt als Genuss

Mein wichtigster Einwand gegen die Schlussfolgerungen aus dieser Studie ist aber ein anderer: Könnte es nicht auch sein, dass sich bei einem Paar (verheiratet oder nicht) Harmonie auch darin äußert, dass man gemeinsam auf den Markt geht und einkauft? Gemeinsam in der Küche steht und schnippelt? Gemeinsam dabei schon mal ein Gläschen Wein trinkt? Gemeinsam eine feine Vorspeise, ein üppiges Hauptgericht und danach möglicherweise noch einen süßen Nachtisch isst, mit dem passenden Wein und einem Digestif und allem drum und dran und pipapo, das einem Asketen die Tränen in die Augen treiben würde? Dann wäre die Gewichtszunahme ein Zeichen für gemeinsamen Genuss. Andersherum soll es ja Menschen geben, denen Beziehungsärger buchstäblich den Magen zuschnürt. Die nehmen dann vermutlich nicht ab, um einen neuen Partner anzulocken.

Liebe Forscherinnen und Forscher, könnten Sie diese Aspekte vielleicht in eine Fortsetzungsstudie mit einbeziehen? Die Ergebnisse würden mich schon interessieren. Ach ja, und dann überlegen Sie vielleicht auch, ob Sie die glücklich verheirateten und etwas moppeligen Genießer wirklich durch besonders effektive Hirnwäsche wieder auf den Pfad der schlanken Tugend zurückführen wollen. Übergewicht macht nämlich gar nicht krank, wissen Sie.

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