Bunt wie der Herbst: Gewürzblumenkohl-Salat mit Granatapfel und Tahindressing

Hamburg ist eine Herbststadt. Ich finde ja, jede Stadt hat ihre Jahreszeit ‒ also eine bestimmte Phase im Jahr, in der sie sich von ihrer schönsten Seite zeigt. Bei Berlin ist es die Lindenblütenzeit, wenn plötzlich die Straßen duften, durch die man mit dem Fahrrad fährt. (Die Autofahrer, die dort parken, haben allerdings verloren und müssen permanent Schmier von der Windschutzscheibe waschen.) In München habe ich besonders die klaren, sonnigen Wintertage geliebt, an denen der Schnee schön weiß glänzte und man vom Olympiaberg bis zu den Bergen gucken konnte.

Baum mit buntem Laub spiegelt sich im Karpfenteich

Botanischer Garten Klein Flottbek, Hamburg

Und Hamburg ist jetzt am schönsten, wenn von der Elbe morgens leichter Nebel aufsteigt und sich überall im reichlich vorhandenen Wasser bunte Bäume spiegeln. Gut so: Denn ich habe das Gefühl, wie die Maus Frederick noch einmal ganz viel Farben tanken zu müssen, bevor die langen, dauergrauen Monate beginnen.

 Herbstzeitlose mit Biene

Aepfel am Baum

Rosa Hortensienblüte

Auch in der Küche. Deshalb gab es die letzten Wochen viel buntes Obst und Gemüse: die letzten heimischen Paprikaschoten, das leuchtende Rot mit Grün geflammt; die bereits verbloggten Kürbisgnocchi, dunkellilafarbene, blau bereifte Zwetschgen und bunte Salate ‒ zum Beispiel einen, bei dem mit warmen Gewürzen im Ofen gerösteter Blumenkohl im Mittelpunkt stand.

Wie man auf die Idee kommt, nun ausgerechnet aus dem bleichsten Gemüse von allen einen farbenfrohen Salat basteln zu wollen? Ach, das liegt daran, dass es am letzten Samstag auf dem Markt so niedliche kleine Blumenkohlköpfe gab, die unbedingt mitwollten. Und die Röschen einfach unter weißer Käsesauce zu verstecken, das hätte meinen derzeitigen Farbhunger nicht recht befriedigt.

Granatapfel

Also habe ich dem Blumenkohl einfach durch die Ofenhitze ein paar schöne braune Röststellen verpasst und ihn dann mit purpurfarbenem Radicchio, knallroten Granatapfelkernen, grünen Oliven und dunkelgrünen Petersilienblättern kombiniert. Was alles (nicht ganz) zufällig nicht nur hübsch aussieht, sondern auch noch alle möglichen Geschmacksfärbungen aufs Schönste kombiniert: süß und sauer und bitter und frisch-kühl und salzig und würzig. Die Anregung, Kardamom zu verwenden, verdanke ich übrigens Nigel Slater (er empfiehlt das in Tender). Eine wirklich wunderbare Idee!

Für das Dressing ist Tahin zum Einsatz gekommen, wie im Moment öfter: Neben der Sehnsucht nach Farben scheinen die kälteren Temperaturen auch zu bewirken, dass ich im Salat etwas Cremigeres, Substanzielleres haben will als Vinaigrette. Das einzige Problem dabei: Mischt man die Salatzutaten mit dem Tahin, verschwinden die ganzen schönen Farben unter einem braungrauen Schleier. Wie das aussieht, seht Ihr gaaanz unten. Hier kommt erst mal das schönere Bild, denn das soll Euch Lust machen, diesen tollen Salat auszuprobieren. Es lohnt sich, nicht nur optisch!

Gewürzblumenkohlsalat ohne Dressing

Ohne Dressing: eine wirklich hübsche Angelegenheit.

Gewürzblumenkohlsalat

Tropfen für Tropfen naht das Ende der hübschen Optik (natürlich besonders, wenn man sich beim Dressing-Träufeln auch noch selbst im Licht steht).

Gewürzblumenkohl-Salat mit Granatapfel und Tahindressing
Quelle: 
Zubereitungszeit: 
Garzeit: 
Zeitbedarf gesamt: 
Portionen: 2
 
Zutaten
Für den Salat:
  • 1 Blumenkohl (oder 2 sehr kleine)
  • 3 grüne Kardamomkapseln
  • 1 TL Koriandersamen
  • 2 EL neutrales Öl
  • Salz
  • ½ Granatapfel
  • 70 g grüne Oliven (mit Stein)
  • ½ Bund glatte Petersilie
  • ½ Kopf Radicchio
  • 30 g Mandelstifte
Für das Dressing:
  • 1 Zitrone
  • 2 EL Tahin (Sesammus, türkisches Geschäft oder Bioladen)
  • ½ TL Harissa (orientalische Chilipaste, türkisches Geschäft; ersatzweise Cayennepfeffer)
  • 1 TL Honig (wenn es vegan sein soll: Ahornsirup oder Agavendicksaft)
  • Salz
Anleitung
  1. Die Blätter des Blumenkohls abschneiden, den Blumenkohl falls nötig waschen und in Röschen teilen. Vom Strunk holzige Stellen entfernen und den Strunk in nicht zu dünne Scheiben schneiden.
  2. Die Kardamomkapseln aufritzen, die Samen herauslösen und mit dem Koriander im Mörser zerstoßen. Die Gewürze in einer großen Schüssel mit Öl und Salz verrühren und die Blumenkohlröschen (und Strunkscheiben) gründlich darin wenden. Alles auf einem Backblech verteilen und bei 180 °C (Ober-/Unterhitze; 160 °C Umluft; Vorheizen in beiden Fällen nicht nötig) 30‒40 Min. auf der oberen Schiene backen, bis der Blumenkohl braune Stellen bekommt und intensiv geröstet duftet (zwischendurch gelegentlich wenden).
  3. Inzwischen die Granatapfelkerne auslösen. Das geht am besten in einer Schüssel unter Wassser: so spritzt kein roter Saft, und die Häutchen schwimmen an der Wasseroberfläche, wo sie einfach abgeschöpft werden können. Die Granatapfelkerne abtropfen lassen.
  4. Die Oliven entsteinen und in Stücke schneiden. Die Petersilie nur falls nötig waschen und trocken schütteln. Die Blättchen abzupfen. Den Radicchio putzen und in Streifen schneiden. Die Mandelstifte in einer heißen Pfanne ohne Fett anrösten, bis sie hellbraun werden und duften. Sofort in eine Salatschüssel geben.
  5. Für das Dressing die Zitrone auspressen. Das Tahin mit Zitronensaft, Harissa, Honig (oder anderem Süßungsmittel) und 50 ml heißem Wasser glatt rühren und mit Salz abschmecken.
  6. Den fertigen Blumenkohl kurz abkühlen lassen und mit den anderen Zutaten mischen. Nach Belieben das Dressing erst bei Tisch von jedem selbst über den Salat träufeln lassen (die optisch ansprechende Variante) oder mit dem Salat mischen (die geschmacklich optimale Variante).
Gewürzblumenkohlsalat mit Dressing vermischt

Ich habe euch gewarnt: Der Salat sieht nicht schön aus, wenn man ihn mit dem Dressing vermischt. Aber dafür schmeckt er umso besser!

Nachtrag am 25.11.2013

Gestern habe ich mal wieder in meinem Küchentagebuch geblättert, in das ich (sehr sporadisch!) eintrage, was ich gekocht habe. Und da stolperte ich über einen Blumenkohlsalat mit geröstetem Blumenkohl, Granatapfel und glatter Petersilie, gekocht am 6. März dieses Jahres. Das Rezept stammt von Yotam Ottolenghi aus Jerusalem*, aufgegabelt hatte ich es bei Robert auf Lamiacucina.

Ich hatte das total vergessen.

Jetzt ist mir allerdings klar, warum mir sofort Granatapfel und glatte Petersilie einfielen, als ich über einen gerösteten Blumenkohlsalat nachdachte. Na gut, das Endergebnis unterscheidet sich in vielen Details von dem Ottolenghi-Rezept, kann aber die Herkunft trotzdem nicht verleugnen. Nichts lag mir allerdings ferner, als das Rezept eines anderen fälschlich für mich zu reklamieren. Die Gefahr besteht aber natürlich immer, dass man irgendwo Ähnlichkeiten produziert; zumindest bei mir: Ich lese tagtäglich so viele Rezepte … Jedenfalls verneige ich mich hiermit ausdrücklich vor Yotam Ottolenghi, der mir offenbar die Inspiration für diesen Salat geliefert hat!

13 Gedanken zu “Bunt wie der Herbst: Gewürzblumenkohl-Salat mit Granatapfel und Tahindressing

  1. Eva

    Wenn da nicht meine profunde Abneigung gegen Blumenkohl wäre. ;-) Vielleicht, aber nur ganz vielleicht bekommt er noch eine zweite Chance. Mal sehen, die übrigen Zutaten wären auf jeden Fall im Haus.
    Und ich stimme dir zu, Hmaburg ist definitiv eine Herbststadt! :-) Vor allem, wenn es so herrlich gülden sonnig ist wie gestern!

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Hi Eva, ich habe gerade mal überlegt: Ich kann mir den Salat auch mit gerösteten Pastinaken statt des Blumenkohls gut vorstellen. Da passen die gleichen Gewürze, schätze ich. Oder mit Süßkartoffeln – aber da bin ich wieder nicht so ein Fan, denn die sind mir zu … süß.

  2. Friederike

    wunderschöner Salat – trotz Dressing, aber stell ihn dir nur mit weniger farbigem Salat vor ;-)
    Den Karfiol im Rohr zu garen, gefällt mir und Granatäpfel mag ich sowieso!

    Für mich ist Wien eher eine Frühlingsstadt, wenn der Flieder und die Bäume blühen, aber auch im Herbst schön. Im Park vor meinem Bürofenster habe ich einen ganz besonders prächtigen, jetzt in der Herbstsonne gold strahlenden Baum!
    lg

      1. Friederike

        Dein Salat hat Suchtfaktor! Ich habe ihn mit Karfiol/BK, Petersilie und Chinakohlsalat (etwas Gescheiteres hab ich heute Nachmittag nicht mehr bekommen) gemacht.
        Alles andere hab ich stehenlassen und nur diesen Salat gegessen!! Nächstes Mal auch mit Granatapfel, heute war ich zu faul einen zu öffnen..
        danke, lg

  3. Susanne

    Das ist eine wunderbare Verwendungsmöglichkeit für Blumenkohl, den ich sehr gerne mag, der aber trotzdem meist mit Käsesauce überbacken oder als Blumenkohl-Kartoffelcurry endet.
    München im Winter…naja….so schön viel Schnee, dass tatsächlich alles weiß ist gibt es selten. Wenn dann noch die passende Zeit ist, gibt es nichts Schöneres als den Weihnachtsmarkt am Chinesischen Turm. Aber auch diese Fön-Tage, die angeblich ja Kopfweh machen, die sind klasse – Zu jeder Jahreszeit. Da kann ich beim Spazierengehen die Berge sehen :-)

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Hallo Susanne, tja, viel Schnee habe ich in meinen Münchner Jahren schon erlebt. Da hat er mich (vor allem mich als Radfahrerin) allerdings zeitweise arg genervt. Aber wenn dann doch mal wieder der blaue Himmel durchkam und noch nicht alles zu grauem Matsch geworden war, dann hatte die Stadt trotzdem etwas ganz Besonderes im Winter. Aber die Hochsommer-und-Biergarten-Zeit, die war natürlich auch gut. ;-)

  4. Anette

    Ein toller Salat! Ich habe ihn an einem grauen Herbsttag ausprobiert und war einfach nur begeistert! Er kommt definitiv in mein Rezepte-Repertoire. Gerösteten Blumenkohl finde ich ohnehin toll, gerade mit Kardamom, Kumin, Koriander –> kein Wunder, dass die Österreicher ihn Karfiol nennen!

  5. Kathi

    Auf Empfehlung von Friederike bin ich hier gelandet und hab mir den Salat gleich abgespeichert – der klingt ganz nach meinem Geschmack.. ich glaub so einen ähnlichen nach einenm Ottolenghirezept hab ich schon mal gemacht, aber dieser hier wird auch getestet. Alles drin was ich mag: Gerösteter Blumenkohl, Granatapfelkerne.. mmh. Und ein bisschen Farbe schadet im Winter ja nie!

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Jetzt muss ich doch gleich mal nach Ottos Version suchen gehen … Gerösteter Blumenkohl ist überhaupt toll, finde ich. Gerade die braunen Eckchen schmecken so schön süßlich-röstwürzig. Bin gespannt, wie Dir der Salat schmeckt!

  6. Kathi

    Wir haben den Salat inzwischen übrigens gemacht und er war sehr lecker! War leider zu finster zum Fotografieren, aber den gibts bestimmt mal wieder! Danke fürs Rezept :)

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