Adventliche Ausstechfreuden: Sirupplätzchen (Pepparkakor)

Pepparkakor SirupplaetzchenEntspannte Vorweihnachtszeit? Dass das geht, daran sollte ich mich selbst gelegentlich mal wieder erinnern. Vor ein paar Jahren haben wir es tatsächlich einmal geschafft ‒ indem wir zwei Wochen vor Weihnachten für eine Woche nach Stockholm entschwunden sind. Wir saßen im Hotel am offenem Kamin und lasen oder probierten uns durch die schwedischen Weihnachtsschlemmereien auf dem Julbord, während der erste Schnee die hübschen alten Häuser am Wasser überpuderte. Und wir aßen jede Menge Pepparkakor.

Pepparkakor ‒ dünne Pfefferkuchen beziehungsweise würzige Sirupplätzchen: Dieses Gebäck genießt in Schweden einen so hohen Stellenwert, dass man es rund ums Jahr im Supermarkt kaufen kann. Gegessen wird es gerne mit Blauschimmelkäse (der oft auch nur sein Aroma einer Schmelzkäsezubereitung aus der Tube leiht, was den Vorteil hat, dass man mit dieser Kleistercreme hervorragend mehrere Schichten Keks aufeinanderleimen kann).

Pepparkakor sind Kulturgut, was sich nicht zuletzt darin äußerte, dass wir in Stockholms Architektur- und Designmuseum die große Ausstellung zum jährlichen Lebkuchenhaus-Architekturwettbewerb bewundern durften ‒ und mit bewundern meine ich: wir standen staunend vor den unglaublichsten Konstruktionen. (Wer ein paar der Kunstwerke sehen möchte, über die wir gestaunt haben: Auf dem Blog Squashed Tomatoes gibt es Bilder der damaligen Ausstellung, wie ich gerade entdeckt habe.)

Pepparkaka-Schwein mit Elefant

Meine persönlichen Ambitionen in der Adventsbäckerei sind da deutlich bescheidener. Aber schwedische Sirupplätzchen habe ich dennoch vor einigen Jahren ins ständige Repertoire aufgenommen. Und das will was heißen: Eigentlich bin ich nämlich sentimentale Traditionalistin und möchte auf dem weihnachtlichen Plätzchenteller am liebsten genau die Sorten liegen haben, die es auch schon gab, als ich Kind war. Neues kommt mir nicht so schnell aufs Plätzchenblech.

Diese hier schon. Denn erstens schmecken sie einfach toll, knusprig und würzig. Und zweitens lässt sich der Teig wunderbar verarbeiten und ergibt perfekt ausgestochene Formen, was ein echtes Argument ist für jemanden, der einen ganze Haufen Ausstechförmchen im Schrank hat, die zumindest einmal im Jahr zum Einsatz kommen sollen. Falls es Euch ähnlich geht: große Nachbackempfehlung!


Sirupplätzchen (Pepparkakor)
Quelle: 
Zubereitungszeit: 
Garzeit: 
Zeitbedarf gesamt: 
 
Zutaten
  • 375 g Zuckerrübensirup
  • 50 g brauner Zucker
  • 100 g Butter
  • 500 g Weizenmehl (Type 405)
  • 2 TL Lebkuchengewürzmischung
  • 1 Päckchen Backpulver
Außerdem:
  • Mehl zum Verarbeiten
  • Backpapier für die Bleche
  • nach Belieben Zuckerguss, Zuckerperlen, Streusel etc. zum Verzieren
Anleitung
  1. Sirup, Zucker und Butter in einen Topf geben und erhitzen, bis sich der Zucker gelöst hat. Die Mischung abkühlen lassen.
  2. Mehl, Lebkuchengewürz und Backpulver mischen. Die abgekühlte Sirupmischung darunterkneten. Den Teig mindestens 4 Stunden (besser über Nacht) kühl stellen.
  3. Nach der Kühlzeit den Backofen auf 180 °C (Ober-/Unterhitze) vorheizen. Den gekühlten Teig 2 bis 3 Millimeter dick ausrollen und Plätzchen daraus ausstechen. Die Plätzchen auf Bleche mit Backpapier legen und im heißen Ofen (Mitte) 8 bis 10 Minuten backen. Sie sollen an den Rändern noch nicht bräunen. Die Plätzchen herausnehmen und auf einem Kuchengitter abkühlen lassen. Sei werden dann erst hart und knusprig.

 

Übrigens, falls Ihr zufällig plant, Eure Plätzchen zu backen und am nächsten Tag, bevor Ihr sie in Dosen packt, nur ganz schnell Nudeln zu kochen: schlechte Idee. Im Nudelkochwasserküchendunst werden die Pepparkakor nämlich weich. Immer noch lecker, aber eben nicht knusprig. Ich sag ja nur.

Wie seht Ihr das mit der Adventsbäckerei? Gibt es bei Euch jedes Jahr die gleichen Sorten Plätzchen (weil es sie immer schon gab und das einfach so gehört) oder jedes Jahr neue (weil die Auswahl so verführerisch groß ist und Abwechslung die Sache erst spannend macht)?

 

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10 Gedanken zu “Adventliche Ausstechfreuden: Sirupplätzchen (Pepparkakor)

  1. Eva

    Was hast du denn für süße Ausstechformen? Die sind irgendwie so ganz anders als die üblichen Sterne, Monde, Nikoläuse… :-)

    Danke für das neue Rezept!

    Zu deiner Frage: als Foodblogger kommt man doch fast gar nicht umhin, immer auch neue Sorten ins Repertoire mit aufzunehmen ;-), aber die Neuen werden die Kindheitsplätzchen nie verdrängen.

  2. Heike Baller

    Hm, bei mir gibt es selbst in einem Jahr wie diesem, wo mir der Sinn so gar nicht backen steht, den Pfefferkuchen meiner Großmutter. Den habe ich dieses Mal erst Mitte oder Ende Oktober angeteigt – sonst war der Termin immer Anfang Oktober. Meine Großmutter sagte, dass in ihrer Heimat (Ostpreußen) der Teig im August angeteigt wurde und dann im Keller stand. Vielleicht sollte ich mal eben eine paar Pfeffernüsse machen?

    Liebe Grüße
    Heike

  3. Eva

    Gekauft. :-) Ich gehe ja schon Sirup kaufen. Die Pepparkakor kannte ich nämlich bislang nur gekauft und schon so schmeckten sie mir sehr.
    Den Stress in der Vorweihnachtszeit haben wir schon seit Jahren allein dadurch abgeschafft, dass gelost wird und jeder nur ein Geschenk bekommt – Sachen haben wir ja eh alle genug. Aber du hast wahrscheinlich mit dem Chor auch eine Menge um die Ohren.
    Traditionelle Kekse? Bei uns nur Elisenlebkuchen, die muss ich machen, sonst brauche ich gar nicht erst zu kommen. ;-) Und alles weitere mache ich nach Lust und Laune.

  4. Sabine Schlimm Artikel Autor

    @Eva Deichrunner: Na, Sterne und Herzen und Nikoläuse habe ich natürlich auch! Aber Plätzchen ausstechen ist ja irgendwie auch wieder Kind sein, und da mag ich meine gesammelte Menagerie am liebsten. Und was die neuen Rezepte angeht: Da es bei mir ja gar nicht sooo viele Rezepte im Blog gibt und dieses mit Sicherheit das einzige Plätzchenrezept dieses Jahr bleibt, werde ich bei dem Tempo alleine geschätzte 15 Jahre brauchen, um unser traditionelles Familienrepertoire zu bloggen. Danach denke ich dann noch mal über Neuzugänge nach. ;-)
    @Heike: Stimmt, es gibt solche Teige, die lange ruhen sollen – höre ich auch immer wieder. Dieser hier hat auch eine Woche auf dem Balkon gestanden – allerdings eher aus Zeitmangelgründen. Viel Spaß beim Pfeffernussbacken!
    @Eva Kochpoetin: Wow, dass Du das Rezept probieren willst, ehrt mich – ich dachte, Plätzchen unter fünf verschiedenen Schichten mit mindestens einer Sorte Ganache hätten bei Dir keine Chance! ;-) Der Stress hat übrigens inzwischen weniger mit Geschenken zu tun als mit beruflichen Projekten, die auf jeden Fall bis Jahresende abgeschlossen sein müssen … Aber wir machen uns dieses Jahr auch wieder aus dem Staub: Ab Ende nächster Woche gucken wir auf Berge (definitiv) und Schnee (hoffentlich).

  5. Katarina

    Eigentlich bin ich noch gar nicht in Adventsstimmung, aber diese Pepparkakor haben mich echt angeturnt. Ich glaube, ich fange jetzt an zu backen.
    Als Kind durfte ich immer aus dem ostpreußischen Lebkuchenteig, der schon Wochen vorher “angeteigt” wurde und anschließend über dem Fernseher im Wohnzimmer ruhte, Plätzchen ausstechen, weil das am einfachsten ging. Das waren dann die Kinderkekse. Und es gab ein selbstgemachtes Lebkuchenhaus aus demselben Teig. Das wurde aber erst aufgegessen, wenn der Lebkuchen versteinert war, also so um Ostern herum (ungelogen).
    Ich glaube aber, am sentimentalsten macht mich die Erinnerung an die Kinder aus Bullerbü, die im Bilderbuch genau solche Pepparkakor-Schweinchen gebacken haben! Das wollte ich nämlich auch unbedingt, aber es gab keine Schweineformen. Vielleicht sollte ich mir jetzt zur Aufarbeitung dieses Traumas eine Schweinchenform kaufen …

    Vielen Dank also für das Rezept!

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Was für tolle Erinnerungen! Und mir war gar nicht bewusst, dass Ausstecher therapeutische Wirkung haben können. Kommt mir aber sehr überzeugend vor. ;-) Also los! Ja, an versteinerte Plätzchen zu Ostern erinnere ich mich auch. Das waren die Springerle meiner Oma. Deren Reiz hat sich mir als Kind nie erschlossen.

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