Selber kochen macht klug: Eine neue Küche für die Grundschule

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„Und dann haben wir ganz viele Kartoffeln gerieben. Und Salz kam da rein. Und ’ne Zwiebel.“ Der Achtjährige überlegt kurz und ergänzt etwas zweifelnd: „Sogar in die Schüssel für die süßen Kartoffelpuffer.“ Sein Freund nickt.

Der Vormittag war aufregend für die beiden Drittklässler: Stundenlang haben sie in der Schulküche zusammen mit Lehrerinnen und ein paar engagierten Müttern Teig gemischt, Kartoffelpuffer gebraten, Quark gerührt und die fertigen Puffer hübsch auf Platten angerichtet, süße mit Puderzucker, herzhafte mit Quark. Und als das Buffet zur Hofpause eröffnet wurde, war innerhalb einer Viertelstunde alles aufgegessen! Oh. Eine Lektion ist gelernt: Gutes Essen ist toll, macht aber viel Arbeit.

Buffet mit Kartoffelpuffern

Juchhu, eine neue Küche!

Jetzt sitzen die beiden nach getaner Arbeit vor einem Teller Kartoffelsuppe mit Würstchen und löffeln. Auch die Suppe haben Schülerinnen und Schüler der Grundschule Prieros hier mitten im Naturpark Heidesee gekocht – mit ein bisschen Hilfe von den Erwachsenen. Auch hier gab es viel zu tun: Kartoffeln und Möhren schälen und klein würfeln, Würstchen in Scheiben schneiden und natürlich umrühren und abschmecken. Und das alles, während ständig fremde Leute mit Kameras zwischen ihnen herumwuselten!

Schülerinnen schneiden Würstchen

Denn heute ist echt was los an der Schule. Das „Team Kartoffelsuppe“ kocht anlässlich der offiziellen Übergabe der neuen Schulküche: eine großzügig bemessene Einbauküche mit Induktionsherd, zwei Backöfen, großem Kühlschrank und natürlich viel Platz, sodass etliche Kinder nebeneinander schnippeln können. Die lustigen Illustrationen auf den weißen Fronten (von Dagmar Gosejacob) sagen auf den ersten Blick: „Hey, Kochen macht Spaß!“ An die mit Tafelfarbe gestrichene Wand sollen die Schülerinnen und Schüler künftig ihre eigenen Rezepte schreiben.

Ein echter Gewinn

Die Küche ist ein echter Gewinn für die gesamte Schule – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn eine Küche im Wert von bis zu 20.000 Euro war der Preis in einem Gewinnspiel von lexoffice, der Online-Buchhaltungssoftware. Was eine Software mit Kochen zu tun hat? Den Bogen schlug ein Werbespot, der eine Küche mit fliegenden Messern, selbstrührenden Kochlöffeln und wie von Zauberhand bewegten Pfeffermühlen zeigt: weil sich mit lexoffice die von vielen gefürchtete und gehasste Buchhaltung ähnlich „von selbst“ erledigt. So bleibt Gastronom*innen und anderen Selbstständigen Zeit für das, was sie am besten können und am liebsten tun.

neue Schulküche Prieros

Kathleen Backhaus vom Förderverein der Schule Prieros entdeckte das Gewinnspiel, bei dem Firmen und Institutionen ein Foto ihrer alten Küche einsenden und erklären konnten, warum gerade sie eine neue verdient hätten. Nach kurzer Absprache mit Rektorin Juliane Götze war klar: Die Schule würde sich bewerben. Die Fotos der in die Jahre gekommenen Küche waren schnell hochgeladen, und dann machten sich Eltern, Kollegium und vor allem die Schülerinnen und Schüler daran, um Stimmen zu werben: Die Kinder teilten den Link wie wild über ihre Handys, die Familien mussten ran und die Freunde natürlich sowieso. Am Entscheidungstag, dem 30. Juni 2017, lag die Schule nach einem heißen Kopf-an-Kopf-Rennen vorn. Hurra, eine neue Küche!

Nur einer war wenig begeistert: Bürgermeister Nimtz. Daran lässt er bei seiner Ansprache zur offiziellen Küchenübergabe an diesem Tag keinen Zweifel: „Am liebsten hätte ich gesagt: Will ich nicht haben.“ Denn damit die neue Küche eingebaut werden konnte, musste erst die alte entsorgt und der Raum renoviert werden: Wasseranschlüsse, Elektrik, neuer Boden, neue abgehängte Decke. Am Ende legte die Gemeinde 32.000 € hin – und es hätte gut noch mehr werden können, wenn sich nicht die Küchenbauer von Möbel Höffner ebenfalls großzügig gezeigt und die nigelnagelneuen Schränke mit Töpfen und Geschirr gefüllt hätten.

Gesunde Schule

Dass Rektorin Juliane Götze weiß, welche Hebel sie in Bewegung setzen muss, um für ihre Schule das Beste herauszuholen, wird schnell deutlich. Seit vier Jahren leitet sie die Grundschule, die von der ersten bis zur sechsten Klasse geht und von aktuell 155 Kinder besucht wird. In dieser Zeit hat sie einiges erreicht: Es gibt jetzt unter anderem zwei neue Lehrküchen, einen neuen Sportplatz, neue Spielgerüste, einen komplett umgestalteten Schulgarten – und ein Schulmotto: „Gesunde Schule – gemeinsam stark“.

Kräuterspirale im Schulgarten

Der zweite Teil ist ihr dabei so wichtig wie der erste. Immer wieder betont Götze, dass Kollegium, Eltern und nicht zuletzt die Gemeinde (nach obligatorischem Grummeln des Bürgermeisters) an einem Strang ziehen. Gemeinsam stark eben. Aber wer die energische Frau kennenlernt, ahnt, dass sie eine Menge Willenskraft und Durchsetzungsvermögen für das aufwendet, was sie will. Und als wir zum kurzen Gespräch wegen vom Trubel des Pausenhofs in den schattigen Schulgarten spazieren, überlege ich unwillkürlich, wie sehr Bildungschancen für Kinder davon abhängen, dass es genau solche Menschen in ihrem Leben gibt.

„Gesunde Schule“ also, sagt das Schulmotto – was steckt nun genau dahinter? Beide Schulküchen werden rege benutzt: Es gibt eine Koch-AG, und die Klassen richten regelmäßig ein Schülerbuffet aus. Dann wird in beiden Küchen gekocht, und das Essen wird genau wie heute in der Pause an alle Schülerinnen und Schüler verteilt. Dabei lernen nicht nur die Mitglieder der jeweiligen Kochteams eine ganze Menge, sondern auch diejenigen, die nachher in den Genuss der Ergebnisse kommen. „Inzwischen probieren die Kinder eigentlich alles, ohne gleich mit ‚Mag ich nicht!‘ zu kommen“, erzählt Rektorin Götze. „Je mehr Lebensmittel und Gerichte sie in der Küche und im Garten kennenlernen, desto neugieriger werden sie. Sogar Sushi haben wir schon gemacht.“

Selbst machen mit Aha-Effekt

Dass ihre Schülerinnen und Schüler eine möglichst große Bandbreite an Lebensmitteln kennenlernen, das ist ihr wichtig. Und dass sie lernen, mit einfachen Mitteln frisch und abwechslungsreich zu kochen. „Als wir zusammen aus Mehl und Eiern Nudeln selbst gemacht haben, waren sie echt beeindruckt, dass das geht. Wir wollen zeigen, dass man nicht alles fixfertig im Supermarkt kaufen muss.“

Die Voraussetzungen sind hier auf dem Land allerdings günstig. Die meisten Kinder haben zu Hause einen Garten und kennen das, was darin wächst. „Die brauchen nur an den Kräutern im Schulgarten zu riechen und sagen sofort: ‚Das ist Minze.‘ Daran kann man natürlich gut anknüpfen“, erklärt Götze. Und Unverträglichkeiten oder Sonderwünsche wie vegetarisches Essen spielen hier ebenfalls kaum eine Rolle. Nur für die Kinder, die es aus Syrien oder Afghanistan nach Prieros verschlagen hat, gibt es halt beim Schülerbuffet Platten ohne Schweinefleisch – ohne großes Aufhebens.

Als ich beim Mittagessen beobachte, wie begeistert die Schülerinnen und Schüler Kartoffelsuppe mit Würstchen löffeln, frage ich mich, an wie vielen Orten in Deutschland die Kinder schon aus der Grundschule eine so solide Basis in Sachen Ernährung mitbringen. Wie sieht es in den Städten aus, wo die Kinder nicht im eigenen Garten den Erdbeeren und Möhren beim Wachsen zuschauen können? Oder wo Essen ungleich komplizierter wirkt, weil es für Peer-Konstantin glutenfrei und für Marie-Charlotte vegan sein muss? Und wie ist es wohl an Schulen, an denen niemand die Energie hat, an einem Gewinnspiel um einen Küche teilzunehmen und dafür Stimmen zu sammeln?

Schüler kochen in der neuen Schulküche

Natürlich gibt es auch in Prieros noch Luft nach oben, denke ich beim Anblick der Packungen mit den Kartoffelpüreeflocken, mit denen die Suppe angedickt wurde. Und vielleicht wird ja auch die Qualität von Lebensmitteln irgendwann Unterrichtsgegenstand, und dann lernen die Kinder, dass man auch mehr Geld für Würstchen ausgeben kann, um ein bisschen mehr Gewissheit zu haben, dass es den Schweinen besser ging. Dann schwimmen eben weniger Würstchen in der Suppe.

Aber selbst und abwechslungsreich zu kochen ist auf jeden Fall schon mal ein guter Anfang. Das Kochteam des heutigen Tages wird sich jedenfalls gemerkt haben, dass in Kartoffelpuffer Salz und Zwiebeln gehören – auch in die süßen.

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Der Beitrag entstand in Kooperation mit der Firma Haufe Lexware.

2 Gedanken zu “Selber kochen macht klug: Eine neue Küche für die Grundschule

  1. Stefanie

    Das Interesse für Ernährung ist auch bei älteren Schülern durchaus vorhanden. Im Bio-Differenzierungskurs (Wahlpflichtfach als Alternative zur dritten Fremdsprache) habe ich mit meinen Achtklässlern das ganze letzte Halbjahr über die Bausteine einer gesunden Ernährung gesprochen (auf Wunsch der Schüler deutlich länger als von mir eigentlich geplant). Leider haben die wenigstens Gymnasien eine Schulküche – und auch wir haben keine – so dass es bei der Theorie bleiben musste. Dabei fände ich es so wichtig, dass alle Schüler für mindestens zwei Jahre Ernährungslehre (theoretisch und praktisch) belegen müssten, damit sie wenigstens die Grundlagen des Kochens lernen würden.

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