London: Die kulinarische Dokumentation

Auf mehrfachen Wunsch und auch für meine eigene Dokumentation: Hier kommen die Details zur kulinarischen Seite unseres Londonbesuchs letzte Woche.

Café TPT, 21 Wardour St (Chinatown)
Chinesische Küche (Schwerpunkt Hongkong). Außer uns sitzen im Laufe von anderthalb Stunden nur noch zwei andere Langnasen in diesem gedrängt engen Imbiss. Was wir gegessen haben, war wirklich ausgesprochen lecker. Was wir an anderen Tischen beobachtet haben (Suppen, Breie, seltsame, undefinierbare Dinge und wilde Interpretationen von Bubble Tea), weckt den Wunsch, immer wieder herzukommen und sich am besten durch die gesamte, sehr umfangreiche Speisekarte zu probieren.

Nopi, 21-22 Warwick St (Soho)
Yotam Ottolenghis schickes Restaurant in Soho. Sehr laut (wie viele Restaurants in London), voll und ein bisschen hektisch, auch wenn die Bedienung dabei immer freundlich blieb. Wir bestellen mehrere kleine Teller: wunderbare Burrata mit Pfirsichen und jungen Korianderkörnern; großartigen Schweinebauch mit Yuzu-Püree. Der Salat von Chicoree, Blauschimmelkäse und karamellisierten Macadamianüssen ist gut, aber nicht aufregend; die Freekeh mit Jalapeño großartig, was aber möglicherweise eher an der Würzung lag als an dem hochgelobten Aroma dieses Getreides (das ging nämlich etwas unter). Neben dem Schweinebauch begeistert mich das Rote-Bete-Püree mit Labneh und Paradieskörnern am meisten. Alles in allem: wirklich köstlich. Nicht so, als müsste man bis in alle Ewigkeit erblassen, wenn man den Namen des Meisters ausspricht, aber definitiv wiederholenswert. Vielleicht beim nächsten Mal mit Ohrstöpseln?

Spice Village, 185-189 The Broadway (Southall)
Eigentlich wollten wir bei unserem Southall-Ausflug bei Madhu’s essen. Und erwischten dann ausgerechnet den Ruhetag des Restaurants. Stattdessen landeten wir im Spice Village, das Teil einer kleinen Kette von Tandoor-Restaurants ist. Ordentlich, würde ich sagen. Man kann’s schlechter treffen, zumindest was das Essen angeht. Das Ambiente war … nun ja, sagen wir: Es handelt sich hier um ein gut besuchtes Restaurant, in dem nicht immer sooo viel Zeit bleibt, um einen Tisch wieder picobello in Ordnung zu bringen, bevor die nächsten Gäste herandrängen. Besonders großartig fanden wir das sehr gut gewürzte Dhal Makhani. Unser Lammgericht schmeckte wunderbar aromatisch und wirklich nach Lamm; vermisst habe ich darin allerdings die angekündigten frischen Bockshornkleeblätter (Methi), die wir vorher bündelweise in den Gemüseläden gesehen hatten. Zum Nachtisch gab’s Falooda, Eis aus eingekochter, leicht karamellisierter Milch mit Nudeln darin. Genau mein Dessert! (Allerdings nicht, ich wiederhole: nicht fotogen.)

Sabine Rosemary Branch

The Rosemary Branch, 2 Shepperton Rd (Islington)
Ein Pub mit Theater (oder Theater mit Pub), und beides haben wir sehr genossen. Der Theaterpart bestand an diesem Abend aus drei wirklich ganz großartigen Puppenspiel-Kurzopern; der Pub-Part spielte sich davor und dazwischen und danach ab: mit ungewöhnlichen Bieren und gehobenem Pub Grub (Bangers & Mash, tollen Chips, aber auch Muscheln und reichlich Mediterran-Gemüsigem). Sehr nette Atmosphäre, sehr gutes Essen. Hat uns wirklich gut gefallen.

The George Inn London

The George Inn, 77 Borough High St (The Borough)
Dieses Pub war quasi Heimspiel für uns, denn wir wohnten diesmal direkt um die Ecke. Als letztes verbliebenes Londoner Gasthaus, das noch über die ursprünglich typischen Galerien verfügt, gehört es inzwischen dem National Trust. Dabei ist es alles andere als ein Museum, sondern ein wirklich lebendiges (sprich: lautes, volles, gemütliches) Pub. Auch hier: große Bierauswahl, typisches Pub Food (von Fish & Chips über Burger und Steak bis hin zu Beef & Ale Pie). Ich probiere zum ersten Mal Whitebait (winzige, im Ganzen panierte und frittierte Fischlein), und sie schmecken mir sehr ‒ bis mir einfällt, dass ich da gerade unverantwortlich den Fischnachwuchs dezimiere. Das wird dann mein letztes Mal Whitebait gewesen sein. Zumindest die Bakewell Tart zum Nachtisch kann ich ohne schlechtes Gewissen genießen. Insgesamt: Etwas weniger gehobenes Niveau als im Rosemary Branch, aber durchaus gut.

Camellia Tea House, Kingly Court, Carnaby St (oberste Etage)
Die Überraschung des diesjährigen Besuchs: Wer hätte gedacht, dass sich ausgerechnet in einer der vollsten, hektischsten Ecken der Stadt eine kleine Oase der Ruhe verbirgt? Man tritt aus dem hustle and bustle rund um Oxford Circus, Regent’s Street und Carnaby Street in einen kleinen Hof, fährt in den dritten Stock und findet sich plötzlich in einem hellen, duftenden Raum wieder, in dem kaum etwas zu hören ist als gedämpfte Gespräche und das leise Klirren von Teetassen. Ich habe in anderen Teehäusern schon eine größere Auswahl an (zumindest unaromatisierten) Tees gesehen, aber ehrlich ‒ die Ruhe und Atmosphäre waren mir wichtiger als ausgefallene Teespezialitäten. Es gibt ein paar Kuchen, Torten und natürlich Scones; man kann auch gleich einen ganzen Afternoon Tea mit allem drum und dran bestellen. Hauptsache, man kommt bis 18 Uhr, um die Bestellung aufzugeben ‒ danach darf man dann bis 19 Uhr oder sogar darüber hinaus sitzen bleiben.

Kopapa, 32‒34 Monmouth St (Seven Dials, Covent Garden)
Neuseeländer Peter Gordon hat sich dem Fusion Food verschrieben. Sein Restaurant ist ‒ ähnlich wie das Nopi ‒ übersichtlich, gedrängt voll und laut und kommt ebenfalls ohne gestärkte weiße Tischdecken aus. Ein paar interessante Cocktails verkürzen die Zeit bis zu unserem gebuchten Time-Slot (ohne Reservierung geht gar nichts!). Auch hier spielt sich der Großteil der Speisekarte in der Rubrik „Small Plates for Sharing“ ab; wir haben uns schon fast durch die Angebote durchdiskutiert, als uns noch das Sondermenü zum London Restaurant Festival gereicht wird, für das wir uns dann entscheiden. Die gebratenen Jakobsmuscheln mit Räucheraal und Blumenkohlcreme werden (nicht überraschend) sehr vom Aal dominiert, aber die Muscheln sind innen schon saftig und außen leicht karamellisiert ‒ fein! Den vegetarischen Hauptgang finde ich nicht sooo bemerkenswert (Tofutasche, gefüllt mit allerlei herbstlichem süßem Gemüse und Früchten), aber meine Begleiter sind begeistert vom Entenconfit. Beim nächsten mal werde ich doch die small plates wählen, um mehr unterschiedliche Gerichte probieren zu können. Denn ich glaube schon, dass es da durchaus kulinarisch was zu entdecken gibt.

Zum Schluss doch noch ein paar nicht-kulinarische Highlights des Besuches:

  • Drama lesen in der passenden Kulisse: die Installation „Tomorrow“ (Elmgreen & Dragset) im Victoria & Albert Museum

 Detail Gärten Hampton Court Palace

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “London: Die kulinarische Dokumentation

  1. Die Küchenschabe

    oh danke :-)), ich freu mich schon sooo auf meine London-Reise. In der Wardour Street waren wir im vorigen Jahr beim Imli essen. Indisches Essen, wirklich fein. Diesmal geh ich dort sicher zu „deinem“ Chinesen!

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