Lieblingsrest: Kartoffel-Pfeffer-Aufstrich

Als ich Sonntag nach einem langen, intensiven Wochenende mit meinem Texterinnennetzwerk nach Hause kam, überraschte mich M. mit dem ersten heimischen Spargel dieses Jahres, klassisch mit Sauce Hollandaise, Schinken und Salzkartoffeln. Die Kartoffelmenge war großzügig – zu großzügig für einen Tag, an dem ich fast nur im Zug rumgesessen hatte. Jedenfalls blieb eine Menge übrig.

Natürlich nehme ich mir IMMER vor, Reste nicht wegzuwerfen. Und trotzdem passiert es immer wieder, dass die Plastikboxen im Kühlschrank irgendwie hinter die frischen Sachen rutschen und erst wieder auftauchen, wenn sie interessante Farb-, Form- und Geruchsveränderungen durchgemacht haben. Geht ja nicht nur mir so. Zur Erinnerung: Geschätzte 50 % der in der westlichen Welt produzierten Lebensmittel landen nicht auf dem Teller, sondern im Müll. (Hier ist es noch einmal gut zusammengefasst.)

An die eigene Mülltüte fassen

An dieser Stelle wäre es jetzt üblich, auf die Landwirtschaft zu schimpfen, die zu kleine Kartoffeln auf dem Feld liegen lässt, oder auf die Supermärkte, die krumme Gurken gar nicht erst einkaufen und den Joghurt kurz vor Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums in den Müll werfen. Aber eine Studie des Landwirtschaftsministeriums von 2012 sagt etwas ganz anderes: Es sind Privathaushalte, aus denen 61 % aller in Deutschland weggeworfenen Lebensmittel stammen.

61 %! Das sind alles Lebensmittel, die jemand im Laden gekauft hat, um davon satt zu werden, die bezahlt und nach Hause getragen wurden. Und dann passierte wohl, was bei mir auch gelegentlich passiert: Pläne haben sich geändert, sodass es nicht zu geplanten Mahlzeiten kam. Oder für Besuch wurde viel zu viel aufgefahren. Oder Reste sind im Kühlschrank verschollen, bis sie schlecht wurden. Was man auch immer von den tatsächlichen oder vermeintlichen Sachzwängen von Industrie, Landwirtschaft und Handel halten möchte – dass in unseren privaten Küchen 6,67 Millionen Tonnen Lebensmittel (!) im Müll landen, wäre komplett vermeidbar. Oder zumindest allerweitestgehend. Grund genug, Reste von gestern als Herausforderung für die kreative Küche zu betrachten.

Salzkartoffeln also. Aus meinen wurde gestern ein Brotaufstrich, der mir heute Morgen das Frühstück verschönert hat. Unglaublich simpel, unglaublich schnell, unglaublich lecker – und nein, er schmeckt nicht wie Kartoffelbrei auf Brot! Übrigens, vegan ist der Aufstrich auch.

Rezept: Kartoffel-Pfeffer-Aufstrich

Für eine großzügige Brotzeitportion für 2:
1-2 TL grüner Pfeffer (aus dem Glas)
1/2 Frühlingszwiebel (ich habe das Grün von einer ausgetriebenen Küchenzwiebel verwendet)
170 g gekochte Kartoffeln (Salzkartoffeln oder gepellte Pellkartoffeln)
2-3 EL neutrales Öl
1 TL Weißweinessig
Salz
Den grünen Pfeffer im Mörser etwas andrücken (oder mit dem Messer ein bisschen kleiner hacken). Die Frühlingszwiebel putzen, waschen und sehr fein schneiden. Die Kartoffeln (am besten in einem Suppenteller) mit der Gabel fein zerdrücken, mit dem Pfeffer, der Frühlingszwiebel, Öl und Essig zu einem streichbaren Mus verrühren. Den Aufstrich salzen. Er profitiert davon, wenn er über Nacht im Kühlschrank durchziehen darf.
Zubereitungszeit: 10 Min.

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