Perfekt fürs Picknick: Hefeschnecken mit Sa’tar

Picknickzeit! Am nahen Elbstrand verringert sich der Abstand zwischen den Picknickdecken mit jedem Grad Lufttemperatur, und mitunter verschwindet die Sonne kurzzeitig hinter grillanzündergeschwängerten Rauchschwaden. Was uns nicht daran hindert, unsere Picknickdecke dazuzulegen, ein paar nette essbare Kleinigkeiten auszupacken und zur akustischen Untermalung von Motorbootbugwellengeplätscher und Gitarrengeklampfe faul zuzugucken, wie gegenüber gigantische Containerschiffe entladen werden.

Schwedische Inspiration pikant umgebaut

So was ist ja schon fein, wenn im Picknickkorbrucksack einfach Brot und Käse stecken. Aber diesmal hatte ich mich in die Küche gestellt und pikante Hefeschnecken gebacken. Was nicht zuletzt daran lag, dass mir in unserer gerade vergangenen Schwedenurlaubswoche wieder einmal Kanelbullar (süße Hefeschnecken mit Zimt und Kardamom) begegnet waren und ich dachte: “Könnte man auch mal wieder machen.” Zimtschnecken waren früher so was wie mein Markenzeichen-Gebäck – mit starkem “Sind sie da, sind sie weg”-Effekt.

Ausrollen, bestreuen, aufrollen, Scheiben abschneiden: Hefeschnecken sind gar nicht so schwierig zu machen.

Ausrollen, bestreuen, aufrollen, Scheiben abschneiden: Hefeschnecken sind gar nicht so schwierig zu machen.

Da wir aber die süße Version ja gerade reichlich verkostet hatten, habe ich mein bewährtes Rezept in Richtung pikant abgewandelt. Das wiederum lag daran, dass ich noch reichlich Sa’tar im Gewürzregal hatte, das jetzt mal langsam weg musste. Diese arabische Gewürzmischung aus einem getrockneten, thymianähnlichen Kraut, Salz, Sumach (ein Gewürz aus säuerlichen Früchten), Sesamsamen und Salz habe ich eigentlich immer da: um sie auf Frischkäsebrot oder Frühstücksei zu streuen oder, ganz klassisch, Fladenbrot erst in Olivenöl und dann in diese würzige Mischung zu stippen. Ich liebe die Geschmacksmischung aus kräuterherb, säuerlich und nussig!

Füllungen: Vieles ist denkbar

Das Problem ist nur: Die Mischung hält sich nicht unbegrenzt, weil irgendwann der enthaltene Sesam ranzig wird. Jetzt war es an der Zeit, mein restliches Sa’tar mal zum kulinarischen Großeinsatz kommen zu lassen. Das Ergebnis war großartig! An dem Hefeteig für mein bewährtes Bullar-Rezept habe ich nicht viel verändert, lediglich die ohnehin schon geringe Zuckermenge weiter reduziert. Ansonsten sollte der Teig so bleiben, wie ich ihn liebe: fluffig, saftig, super zu verarbeiten. Daher auch die Butter im Teig, selbst wenn Olivenöl in die Füllung kommt.

Fertige Hefeschnecken: ich mag sie relativ hell am liebsten.

Fertige Hefeschnecken: ich mag sie relativ hell am liebsten.

Ich habe vor, das Rezept jetzt öfter mal herzhaft abzuwandeln. Füllungen mit gemahlenen, angerösteten Nüssen und gemahlenem Koriander (ähnlich der ägyptischen Gewürzmischung Dukkah) kann ich mir gut vorstellen, außerdem natürlich Pesto oder Tapenade. Daher lohnt es sich auch zu experimentieren, wenn ihr kein Sa’tar zur Hand habt (ich kenne da draußen aber noch etliche Menschen, die zumindest ein Restchen Sa’tar in der Küche rumstehen haben …). Wer es mit Sa’tar probieren möchte: Arabische Lebensmittelgeschäfte sind wohl die erste und beste Anlaufstelle. In Hamburg habe ich es schon in den syrischen Restaurants Mazza und Saliba gekauft. Und im Internet gibt’s das natürlich auch.

Sa’tar: Die Sache mit der Schreibweise

Wer allerdings eine Online-Quelle für diese Gewürzmischung sucht, tut gut daran, die Suchmaschinen mit mehreren gängigen Varianten zu füttern – Za’tar, Zaatar, Zatar, Satar, Saatar, Sa’tar, Sa’atar … Alles schon gesehen. Dass vorne mal S, mal Z steht, liegt daran, dass das arabische Wort häufig englisch transkribiert wird. Und im Englischen nutzt man das Z für einen weichen (stimmhaften) S-Laut. Im Deutschen sprechen wir S am Wortanfang vor Vokal eh stimmhaft aus; deshalb steht in deutschen Versionen oft auch ein S vorne.

Sa'tar gibt es nicht nur mit vielen Schreibweisen, sondern auch in vielen unterschiedlichen Mischungsverhältnissen.

Sa’tar gibt es nicht nur mit vielen Schreibweisen, sondern auch in vielen unterschiedlichen Mischungsverhältnissen.

Und der Apostroph, der mal geschrieben wird und mal nicht? Der steht für einen arabischen Laut, den es weder im Englischen noch im Deutschen gibt. Als ich vor Urzeiten mal ein bisschen Arabisch gelernt habe, erklärte uns der Lehrer zur Aussprache: “Ihr müsst den Kehlkopf bewegen und dabei glucksen.” Ah ja. Europäer sind meistens nicht sehr erfolgreich bei dem Versuch, diesen Laut zu produzieren – und wir hören ihn oft noch nicht einmal richtig. Wir hören eher ein zweites a, das sich dann eben in manchen Schreibweisen niederschlägt.

Übrigens: Wir haben die Sa’tarschnecken am Elbstrand mit einem Dip aus griechischem Joghurt, frischem Knoblauch, reichlich Pul biber (türkische Paprikaflocken) und frisch gehacktem Rosmarin gegessen. Und das war sehr fein.

 

Hefeschnecken mit Sa'tar
Quelle: 
Portionen: ca. 30 Stück
 
Zutaten
Für den Teig:
  • 300‒325 ml Milch
  • 500 g Weizenmehl (Type 405 oder 550)
  • 20 g frische Hefe (1/2 Würfel) oder 1½ Tütchen Trockenhefe
  • 1 EL Zucker
  • ½ TL Salz
  • 100 g weiche Butter
Für die Füllung:
  • 3 EL Olivenöl
  • 4‒5 EL Za'tar
Anleitung
  1. Die Milch lauwarm (nicht wärmer!) erhitzen. Das Mehl in eine Schüssel geben und eine Mulde in die Mitte drücken. Die frische Hefe hineinbröckeln und den Zucker zugeben. Die Hefe mit 3‒4 EL von der warmen Milch und etwas Mehl vom Rand verrühren. Diesen Vorteig zugedeckt 10 Min. ruhen lassen, bis die Hefe in Gang gekommen ist und schön blubbert. (Die Nummer mit dem Vorteig könnt ihr euch sparen, wenn ihr Trockenhefe nehmt - dann wird einfach gleich alles zusammengeknetet.)
  2. Salz, weiche Butter in Stückchen und 300 ml Milch zugeben und alles entweder von Hand oder mit dem Knethaken von Küchenmaschine oder Handrührgerät zu einem geschmeidigen Teig verkneten. Falls nötig, etwas mehr Milch zufügen. Den Teig in eine Schüssel legen, mit einem Tuch bedecken und an einem warmen Ort ca. 1 Std. gehen lassen, bis sich das Teigvolumen sichtlich vergrößert hat (im Sommer reicht ein sonniges, aber nicht zugiges Plätzchen, im Winter stelle ich den Hefeteig zum Gehen in den auf 50 °C vorgeheizten und dann ausgeschalteten Backofen).
  3. Den gegangenen Teig kurz durchkneten und auf ca. 60 x 40 cm ausrollen. Die Teigplatte mit dem Olivenöl bestreichen und mit dem Za'tar bestreuen, dann von der langen Seite her aufrollen. Von der entstandenen Rolle ca. 1,5‒2 cm breite Scheiben abschneiden (Anfangs- und Endstücke dürfen Hefeteigliebhaber gleich aufessen).
  4. Zwei Bleche mit Backpapier belegen und die Teigschnecken mit genügend Abstand darauflegen. Mit Tüchern abgedeckt noch einmal 15 Min. ruhen lassen.
  5. Den Backofen auf 200 °C vorheizen (in diesem Fall auch Umluft vorheizen: 180 °C). Die Hefeschnecken (ohne Tücher!) im heißen Ofen 10‒15 Min. backen, bis sie hellbraune Ränder bekommen. (Bei Ober-/Unterhitze die Bleche nacheinander abbacken; bei Umluft dürfen sie zusammen rein.)
  6. Die fertigen Hefeschnecken auf einem Kuchengitter auskühlen lassen. Frisch schmecken sie am allerbesten.
Anmerkungen
Zubereitungszeit: gesamt ca. 2 Std. 15 Min.
davon aktive Zeit: ca. 30 Min.
Gehzeit: ca. 1 Std. 30 Min.
Backzeit: 10-15 Min.

 

 

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4 Gedanken zu “Perfekt fürs Picknick: Hefeschnecken mit Sa’tar

  1. Chawwa

    Pikante Bullar, was für eine tolle Idee! Als ich sie nachmachen wollte, stellte ich fest, dass mein Za’tar nicht mehr reichte. Und was macht die experimentierfreudige Hausfrau? Genau, ich habe es selbst gemacht! Anleitung fand ich im WorldWideWeb unter http://www.foolforfood.de/index.php/selbstgemachtes/rezept-zaatar-selbstgemacht. Ich hatte noch ein nicht angebrochenes Sumach-Tütchen da, vor Jahren von einer Freundin direkt aus Teheran mitgebracht. Und statt des Za’tarkrauts habe ich halb Majoran/halb Oregano genommen und nicht wie im Rezept meinen Backofen für ein paar Zweiglein frische Kräuter erhitzt. Aber das Ergebnis war so lecker, dass ich zwei Tage lang alles mögliche mit Za’tar gekocht habe: Reis und Couscous und Nudeln – es war alles köstlich orientalisch! Nur die Bullar habe ich noch nicht gemacht…..

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Ist ja lustig, dass ich mit meinem Schnell-Rezept so was wie eine orientalische Phase bei dir ausgelöst habe. Aber jetzt muss ich doch mal neugierig fragen – du hattest ja jetzt den Vergleich: Schmeckt das mit Majoran/Oregano denn so ähnlich? Ich dachte nämlich (obwohl ich das gleiche Rezept auch schon gesehen hatte) immer, das hat keinen Sinn, weil es eh ganz anders wird ohne das richtige Kräutlein.

  2. Chawwa

    Ich fand, es schmeckt absolut lecker, ganz wie frisches Za’tar – ich hatte noch ein zusammengekratztes, allerdings schon etwas muffiges Restchen zum Vergleich. Dann kann ich gleich noch ergänzen, dass ich nach dem Mörsern der Zutaten alles in meine kleine Mühle vom Pürierstab umgefüllt und nochmal sozusagen elektrisch gemörsert habe, erst dann war ich mit der Konsistenz zufrieden. Und am “echtesten” schmeckt es für mich, wenn die Röstaromen der Sesamsaat gut durchkommen, das erinnert mich so sehr…..Hach, ist das lecker: Fladenbrot mit Öl und Za’tar! Ist der beste Brotaufstrich ever!

  3. Pingback: So was von kein Rezept: Salzzitronen | Schmeckt nach mehr

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