Die Hähnchenbrust und der ganze Rest

Huhn Porträt

In der Hamburger Straßenzeitung Hinz & Kunzt bin ich gerade darauf gestoßen: Der Grafiker Tronje Thole van Ellen zeigt in einer kleinen gezeichneten Geschichte (kann man das in dem Umfang schon Graphic Novel nennen?), was Filet und Flüchtlingskatastrophen miteinander zu tun haben.

Die Geschichte Heute Huhn? (steht vollständig online) kommt kurz, einprägsam gezeichnet, aber leider ohne Happyend daher: Die wohlstandseuropäische Lust auf die feinen Teile vom Huhn (Brust und höchstens noch Keulen) hat zur Folge, dass hierzulande zwar eine Menge Vögel geschlachtet, aber bei Weitem nicht vollständig gegessen werden. Was übrig ist, wird nach Afrika verschifft und macht dort die lokalen Fleischmärkte kaputt. Der afrikanische Schlachter Donnavon verliert seine Lebensgrundlage, flüchtet vor der drohenden Armut übers Mittelmeer und strandet in Hamburg. Ohne Job, ohne Perspektive.

Die gezeichneten Bilder berühren mich noch stärker als die Fernsehreportagen zum selben Thema. Auch wenn mir die Zusammenhänge grundsätzlich nicht neu sind; auch wenn sie hier auf eine sehr schlichte Formel heruntergebrochen werden: Die kleine Geschichte erinnert mich mal wieder daran, bei den Konsequenzen konsequent zu bleiben. Und das heißt: weiterhin wenig Fleisch essen, und wenn, dann nicht nur die Edelteile. Vielleicht wage ich mich demnächst wirklich mal an Hühnerherzen. Ich werde euch auf dem Laufenden halten. Bis dahin: Schaut euch Heute Huhn? an! Es lohnt sich (und dauert auch wirklich nicht lange).

9 Gedanken zu “Die Hähnchenbrust und der ganze Rest

  1. Barbara

    Ach! Das ist gerade so was von Wasser auf meine Mühlen. So vieles, was ich derzeit lese, sehe, höre, legt es mir nahe. Ich glaub, hier geht’s erst mal ein ganzes Weilchen vegetarisch zu. Auch wenn’s Donnavon nicht hilft. Aber vielleicht mir. Herzlichste Grüße!

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Ach ja – es läuft so viel schief im Lebensmittelsystem, aber die gruseligsten Geschichten gibt es leider immer übers Fleisch, und das kann es einem schon verleiden. Auch wenn ich Fleisch eigentlich ja mag! Nun ja, es wird halt immer mehr ein Feiertagsgenuss. Ich bin jedenfalls gespannt auf viel Vegetarisches bei Dir!

  2. Gabi

    Hmmmm….
    das ist mal ein ganz andere Art auf die Folgen der Globalisierung hinzuweisen.
    Ich habe einige Zeit meiner SchwippCousine auf dem Wochenmarkt geholfen…Geflügel,Eier,Kartoffel.
    Huhn gibt es dort frisch, komplett oder Teile und auch Herzchen,Mägen, Flügel und die Kunden stehen Schlange…ich denke, wir sollten REGIONAL kaufen.
    Nicht dass irgendwann mal unser Geflügelbauer von nebenan…so endet wie der arme Donnavon….

    Viele nachdenkliche Grüße, Gabi

    1. Sabine Schlimm Artikel Autor

      Regional ist sicher auch ein wichtiger Aspekt. Aber die “regionalen” Geflügelzüchter sind halt auch nicht immer die kleinen, so wie Deine Schwipppcousine. Deshalb würde ich gerne ergänzen: regionale, kleine Betriebe, die – allein schon wegen der strengeren Tierwohlvorschriften – ökologisch arbeiten und in der Nähe im ebenfalls kleinen Betrieb schlachten lassen: Das ist mein idealer Geflügellieferant.

  3. ninive

    Da denke ich wieder mal wie gut es mir hier geht, mit den vielen bäuerlichen Kleinbetrieben in der Gegend. Hühnerbauern gibt es auch mehrere- und ich kaufe meine Hühner immer im Ganzen. Wobei ich mich noch dran erinnern kann, früher waren die Innereien und der Hals immer im Innern des Huhns in einem kleinen Beutel- das gibt es leider schon lange nicht mehr.
    Auch für Rind hab ich einen Spezialbauern, Reh wächst eh wild…. und Schwein gibt es fast nie, weil ich da noch keine gescheite Quelle für gefunden habe- mal ein schwäbisch-hällisches, wenn das in meine Reichweite gerät.
    Wobei man natürlich auch hier im Supermarkt Fleisch kaufen kann…. ist bequemer und billiger. Leider.

  4. Pingback: Backhendl reloaded - Manuela Rüther

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